Projekt Brückenschlag

Hier finden Sie eine ausführliche Beschreibung des Projekts "Brückenschlag". Informationen über den Verantwortlichen, Holger Mangold, unter Diakonat.

 

Projekt Brückenschlag. Zielgruppenübergreifende Jugendarbeit in Murrhardt

1. Zielsetzung: Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Milieus und unterschiedlicher Sozialisation erleben sich in Murrhardt wahrgenommen, beheimatet und zur Mitgestaltung ihres Lebensraums befähigt. In der konkreten Begegnung mit professionell wie ehrenamtlich Engagierten erweitern Jugendliche ihre sozialen Kompetenzen und in Teilen ihre religiöse Ausdrucksfähigkeit. Die gemeinwesenorientierte Vernetzung verschiedener Träger und die Fokussierung auf bisher unzureichend begleitete Zielgruppen erreicht eine deutliche Problemminderung bei Jugendlichen in der Nähe zu prekären Lebenssituationen und verstärkt das Potenzial bürgerschaftlichen Engagements schon heute bei Jugendlichen und Erwachsenen wie perspektivisch bei Erwachsenen der kommenden Generation. Gleichermaßen eröffnet die breite Vernetzungsbasis niedrigschwellige Brückenschläge zu weiteren Angeboten wie zum Beispiel der Einzelfallhilfe, der sozialen Gruppenarbeit, dem Projekt U 25 oder der Eltern- und Familienarbeit von Kirchengemeinden.

 

2. Bedarfslage: Im Stadtgebiet Murrhardts werden Jugendliche, die sich nicht in Vereinen, Religionsgemeinschaften oder anderen bestehenden Angeboten beheimatet wissen, oft als Störfaktoren oder potentielle „Problemjugendliche“ wahrgenommen (vergleiche die Initiative „Sauberes und sicheres Murrhardt“, Abschlussbericht des Jugendarbeitsleasings mit N. Neijhoft). Ferner steckt die Integration/Inklusion Jugendlicher mit Migrations- oder unterschiedlichem kulturellen Hintergrund in den Kinderschuhen (Murrhardt: Ort der Vielfalt).

Im Bereich der evangelischen Kirchengemeinden liegt ein Potenzial für das bürgerschaftliche Engagement Erwachsener und für die ehrenamtlich verantwortete Bildungsarbeit von Jugendlichen für Jugendliche. Dieses Potenzial bedarf dringend professioneller Unterstützung, um zur Entfaltung zu kommen.

 

3. Drei Träger – ein Projekt. Die klassische win-win-Situation:
Die Stadt Murrhardt zeigt trotz einer höchst angespannten Haushaltslage größtes Interesse insbesondere an einer aufsuchenden Jugendarbeit/ Streetwork. Deren Notwendigkeit wurde im Bericht des Jugendarbeitsleasing betont. Mehr als eine

50 % - Stelle wird freilich aktuell keinesfalls finanzierbar sein.

Der evangelische Kirchenbezirk Backnang trägt in Murrhardt eine 50 % - Diakonatstelle, ohne sie während der Elternzeit der Stelleninhaberin besetzen zu können. Die drei Evangelischen Kirchengemeinden in Murrhardt beklagen das deshalb brach liegende Handlungsfeld, das in den Gremien Priorität genießt und personell wie ideell mit Unterstützung rechnen kann.

Die Paulinenpflege Winnenden als Jugendhilfeverbund unterhält in Murrhardt ein breit gefächertes Angebot. Die aufsuchende Jugendarbeit wird von ihr als ideales Komplettierungsinstrument im Sinn einer umfassenden Jugendhilfe nach dem SGB VIII /KJHG deutlich unterstützt.

 

Einzig in der Kooperation der drei Säulen (Stadt Murrhardt, Evangelische Kirche, Paulinenpflege) lassen sich die Ziele der drei Träger realisieren. Gleichzeitig käme für die Kirchengemeinden ein starkes Entwicklungspotenzial hin zu einer Milieus überschreitenden diakonischen Gemeinde zum Tragen – ein weiterer Gewinn für das gesamte Murrhardter Gemeinwesen wie für die Evangelische Kirche in Murrhardt und im Kirchenbezirk.

Die Chance der Gewinnung einer geeigneten Fachkraft bei einer 100% Anstellung gegenüber getrennt ausgeschriebenen 50% - Stellen zumal im metropolenfernen Raum Murrhardt steigt massiv.

Eine zu erstellende Kooperationsvereinbarung regelt die Verantwortlichkeiten und zentrale Eckpunkte der Zusammenarbeit.

 

4. Projektdauer:
Das Projekt ist auf 3 Jahre angelegt. Für den Projektstart ist angesichts der jugendsoziologischen Erreichbarkeitskriterien (Aufenthalt im Freien, an informellen Treffpunkten) der frühest mögliche Termin anzustreben, im Idealfall der Frühsommer 2010.

 

5. Finanzierung:

Die Stadt Murrhardt finanziert 50% der Stelle.

Der Evangelische Kirchenbezirk Backnang finanziert die weiteren 50% aus Mitteln der in der Elternzeit der Stelleninhaberin im Diakonat erübrigten Mittel.

Beide Beteiligungen fließen in Form eines Zuschusses zur Stellenfinanzierung an den Anstellungsträger. Für den Fall der Rückkehr der Diakonin aus der Elternzeit (geplant: Januar 2011) trägt die Paulinenpflege Winnenden den daraus entstehenden Abmangel.

Die Projekträger bemühen sich um die Entlastung der Finanzierung durch weitere Drittmittel / öffentliche Zuschüsse, die ggf. im Verhältnis des finanziellen Engagements der Trägerinstitutionen mit deren Aufwand verrechnet werden.

Notwendige Sachkosten werden jeweils anteilig entsprechend der Stellenfinanzierung übernommen. Eine entsprechende Kostenplanung ist einvernehmlich zu erstellen.

 

6. Anstellungsträgerschaft

Bei der Paulinenpflege Winnenden wird die Stelle anstellungsrechtlich verankert. Die ausgewiesene fachliche Kompetenz, der große Personalstamm (mit einer späteren Integrationsoption der Projektstelleninhaberin / des Projektstelleninhabers in den Personalstamm der Paulinenpflege samt der Chance der kurzfristigen Gewinnung einer Fachkraft aus den Reihen der Mitabreitenden der Paulinenpflege) und die Infrastruktur von einer professionellen kollegialen Beratung bis zur Anbindung an das fachliche Netzwerk innerhalb des diakonischen Jugendhilfeverbunds sprechen deutlich für diese Anstellungsträgerschaft.

 

7. Projektleitung/Projektkonzeption/Projektbegleitung/Verortung

Für die Projektleitung wird Pfarrer Steffen Kaltenbach vorgeschlagen. Er zeichnet künftig von Seiten der Evangelischen Kirchengemeinde Murrhardt für die Jugendarbeit der Evangelischen Kirche in Murrhardt verantwortlich.

Eine Steuerungsgruppe mit Verantwortungsträgern der beteiligten Träger garantiert im engen Kontakt zur Projektleitung die Realisierung der unterschiedlichen Trägerinteressen.

Ein breiteres Begleitgremium / Beirat stärkt die konzeptionelle Weiterentwicklung und die Vernetzungsqualität der Projektstelle.

Die Verankerung in professionellen Netzwerken / im kollegialen Austausch innerhalb der Paulinenpflege, aber auch innerhalb der professionellen Kollegenschaft in Murrhardt ist eine der Grundbedingungen für das Gelingen des Projekts.

 

8. Konkrete Arbeitsfelder

Zwei Kernsäulen unterschiedlicher Inanspruchnahme prägen das Projekt „Brückenschlag“:

8.1 Aufsuchende Jugendarbeit / streetwork.

8.2 Evangelische Jugendarbeit / Jugendbildungsarbeit der Kirchengemeinden

 

Zu 8.1: Aufsuchende Arbeit / streetwork mit cliquenbezogenen Angeboten, ergänzt durch die Offene Jugendarbeit. In diesem Bereich sollen Jugendliche angesprochen werden, Begleitung erfahren, Beheimatung erleben und ihre sozialen Kompetenzen stärken. Ggf. können sie mittels initiierter „Brückenschläge“ im Netzwerk weiterer Angebote der Jugendhilfe Unterstützung finden. Die Einrichtung eines zusätzlich zum Juze Murrhardt entstehenden offenen Angebots ist eine klare Option dieses Handlungsfeldes. Juze und aufsuchende Arbeit/ streetwork stehen hierbei nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich durch unterschiedliche Strukturen. Die streetwork sucht die Klienten an deren Orten auf. Das Juze verfolgt eine Komm- Struktur. Das Profil dieser Projektsäule lässt sich beschreiben als sozialdiakonisch /sozialarbeiterische gemeinwesenorientierte aufsuchende Jugendarbeit / streetwork.

 

Kooperationspartnerschaften sehen wir insbesondere beim Juze, bei der Arche, beim Projekt U 25, daneben bei der Schulsozialarbeit aber auch bei der Diakonie (Sprechstunde in Murrhardt) und bei der sozialen Gruppenarbeit.

 

Zu 8.2 Evangelische Jugendarbeit / Jugendbildungsarbeit in den drei Evangelischen Kirchengemeinden Murrhardt, Fornsbach, Kirchenkirnberg.

In Murrhardt ist die Jugendarbeit der Evangelischen Kirche dringend auf die professionelle Unterstützung bei der Mitarbeitendengewinnung, - Begleitung und Erstschulung angewiesen. In Fornsbach ist aktuell eine neue offene Arbeit im Entstehen. Kirchenkirnberg sucht insbesondere im Jungscharbereich Unterstützung in der Mitarbeitendengewinnung und –begleitung. Der Brückenschlag zu den Qualifizierungsangeboten im Evang. Bezirksjugendwerk muss für all diese Bereiche personell initiiert und beleitet sein. Die große Chance der Evangelischen Jugendarbeit liegt in der Perspektive einer Sensibilisierung für die Belange der Jugend in Murrhardt insgesamt und einer neuen Querverbindung ehrenamtlichen Engagements auch Erwachsener zur Jugendsozialarbeit / streetwork. Im Idealfall entwickeln die Kirchengemeinden und der Kirchenbezirk Backnang ihr diakonisches Profil in beispielhafter Weise fort.

 

 

Murrhardt-Fornsbach, Winnenden, CH-Elm, 16.3.2010

 

Uwe Jansch, Paulinenpflege Winnenden Jugendhilfeverbund

Steffen Kaltenbach, Evang. Pfarramt Fornsbach