Krach im Hause Gott
„Krach im Hause Gott“: im Rahmen der Evangelischen Erwachsenenbildung Oberes Murrtal gab es eine angeregte Diskussion.
Von Pfarrer Steffen Kaltenbach
Mit Knut Landsgesell und Detlef Neumann hatte die Evangelische Erwachsenenbildung in Murrhardt und Fornsbach am Montag zwei Initiatoren und Darsteller des Filmprojekts „Krach im Hause Gott“ zu Gast. Gut 40 Interessierte ließen sich ins Evang. Gemeindehaus nach Fornsbach einladen, um über den Film und vor allem dessen Inhalt zu diskutieren.
Die Rahmenhandlung des ursprünglichen Theaterstücks von Felix Mitterer ist schnell erzählt: Gott-Vater wandelt durch das abendliche Murrhardt, wo er im Schaufenster des Fernsehgeschäfts, auf dem Straßenstrich und hinter zugezogenen Vorhängen eine an sich selbst und an Gottes Geboten scheiternde Menschheit vor Augen geführt bekommt. Er beruft eine Krisensitzung im himmlischen Vorstandsbüro ein: Jesus, der Sohn, und der Heilige Geist, aber auch Satan, der gefallene Engel sind eingeladen, um Gott-Vater mit ihren Plädoyers von seinem Vorhaben – der Vernichtung der Menschheit – doch noch abzubringen. Der auch von Darsteller Detlef Neumann geformte Heilige Geist in Kleidung eines Kirchenfürsten drängt Gott immer wieder zur Vollstreckung. Er kann die allzu menschliche Seite des Erdenlebens und selbst des Gottes- und Menschensohns Jesus nicht ertragen. Satan indes organisiert per Handy auch während der Verhandlung noch Unheil, setzt aber statt der Menschen Gott-Vater auf die Anklagebank. So gerät der frühere Lichtträger Luzifer zur Identifikationsfigur für brennende Fragen überzeugter Atheisten genauso wie kritisch denkender und nachdenklicher Christen. Gott selbst sei Schuld an dem Unheil auf Erden; der Schöpferbefehl: „Macht euch die Erde untertan“ und die den Menschen verliehene Freiheit stürze die Welt ins Chaos. Die Nachfolger Jesu seien auch nicht besser: Verbrecher, Popanze, machtbesessene Verwalter des Untergangs. Zwischendurch kapituliert Gott gar vor Satan. Doch am Ende steht die Vertagung: Noch einmal lässt der Schöpfer sich selbst und seiner Welt eine Verschnaufpause – Zeit, doch noch das Ruder herumzureißen?
Die Filmemacher von „Trinity Movies“ berichteten von der im Jahr 2001 erfolgten Theateraufführung und benannten den Unterschied zum Film insbesondere als Herausforderung, sich mit jeder Einstellung immer wieder neu in den Handlungsstrang und die emotionale Verfassung der Charaktere hineindenken zu müssen. Im Theater, das in einem Zuge den gesamten Stoff erzählt, sei dem gegenüber die eigene innere Beteiligung dichter. Der Prozess vom Theaterstück über die Filmidee bis zur Realisierung gestaltete sich wie eine Aneinanderkettung „wunderbarer“ Unterstützung: Von der Freigabe durch den renommierten Autor Felix Mitterer über die Überlassung von Drehorten und den Bau der Kulisse bis zur Produktion durch ein professionelles Filmteam und zum Catering durch lokale Restaurants bei der Premiere war das gesamte Projekt „Hollywood in der Provinz“ kostenfrei über die Bühne gegangen. Selbst das Herbstwetter erlaubte einen Dreh im Freien in biblisch sommerlicher Hitze.
Knut Landsgesell wertete dieses „Wunder“ als Motivation, bei wertvollen Ideen nicht gleich klein beizugeben.
Die Debatte zum Film verschwieg wie der Film selbst praktisch keine Frage, die sich angesichts der biblischen Überlieferung und der Kirchenwirklichkeit dem kritischen Geist stellen. Genial, wie in der Identifikation mit den drei Personen Gottes (Vater, Sohn, Geist) die kirchliche Dreieinigkeitslehre mit Leben gefüllt wird, auch wenn der eine oder andere Charakter im Film eine bemitleidenswerte Figur abgeben mag. Spannend wird der Film auch mit dem Auftritt Marias, die sich mit der Rolle der Mutter Jesu nicht zufrieden gibt, sondern eine feministische Theologie bis in die Uranfänge der jüdisch-christlichen Religion hinein einfordert. Witzig, für nicht wenige Christen vielleicht aber auch mit Ablehnung verbunden, während der Vorführung freilich mit einem Lachen quittiert, erkennt der Zuschauer ganz und gar menschliche Züge bei einem fluchenden, schreienden und beleidigten Gott-Vater, der für sich in Anspruch nimmt, im Laufe der Welt- und Religionsgeschichte auch entwicklungsfähig zu sein.
Im Kern der Botschaft des Films aber waren die Diskutanten bei der Theodizee, der Frage nach der Gerechtigkeit eines liebenden Gottes, der scheinbar zusieht, ja der vielleicht der Verursacher allen Elends auf der Welt ist. Ist Gott allmächtig oder ohnmächtig, ist unser Gottesbild oder das der Bibel ein Zerrbild von Gott selbst? Oder müssen wir neue Bilder von Gott entwickeln und dann auch im Raum der Kirche mutig kommunizieren? Welche Rolle spielt die Bibel und wie lesen wir sie, bzw. wie bekommen wir die biblische Botschaft von den Kanzeln der Kirchen gepredigt? Ein Strang der Diskussion war die eingeforderte Redlichkeit auch mit der Kritik an der Bibel und ihrem Stoff. Der andere vom Film vorgezeichnete Blickwinkel warf die Frage des Elends auf der Welt auf uns Menschen zurück: Wenn die Menschheit ausgelöscht wird, stirbt mit ihr auch Satan. Im Umkehrschluss sind wir Menschen heute gefordert, uns nicht dem Untergang zur Verfügung zu stellen, sondern dem Göttlichen oder - säkular formuliert - dem Guten, das in jedem Menschen liegt, eine Stimme und eine tätige Hand zu verleihen.
Die DVD zum Film ist unter anderem bei den Akteuren zu beziehen. Weitere Informationen bietet die Internetseite
www.krachimhausegott.de.