Wo ist ihr Platz in der Weihnachtsgeschichte?


Pfarrerin Margit Bleher im Gemeindebrief "Unser Fenster" 4/07

Da steht sie im Regal in der Abstellkammer. Neben ihr der Besen und ein Brett, das nicht gebraucht wird, über ihr Farbtöpfe, Pinsel, Kartons. So ein Karton war auch ihr Refugium, fast ein ganzes Jahr lang. Aber nun wird es Zeit, die Abstellkammer zu verlassen. Bald ist Weihnachten. Doch ein Blick aus der Abstellkammer zeigt: Weihnachten kann man wohl auch ohne Krippe feiern. Der Baum ist da, die Geschenke, die Krippe wird anscheinend nicht vermisst. Und in der Tat, so einfach ist das ja gar nicht, ein "richtiges" Weihnachtsfest zu feiern. Auch in einer Kirchengemeinde nicht. Die Adventszeit als Vorbereitungszeit auf Weihnachten ist eine hektische, eine stressige Zeit. Wer will da nicht alles bedacht, besucht, bekocht, beschenkt, bebacken sein. Es ist gar nicht so leicht, sich offen zu halten für das "Eigentliche" von Weihnachten: die Krippe.


Die Inszenierung der Weihnachtsgeschichte, die Geburt eines Kindes, das uns selig machen will. Ich habe eine kleine Krippe: Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe und ein Schaf. Lange konnte ich mich nicht für eine Krippe entscheiden. Die Figuren waren mir zu bunt, zu folkloristisch, drückten nicht das aus, was mir bei einer Krippe wichtig war. Und dann habe ich sie gefunden! Sie stammt aus Brienz im Berner Oberland. Dort hat das Holzschnitzen Tradition, sogar eine Holzschnitzschule gibt es dort. Jedes Jahr kommt eine Krippenfigur dazu, so wie ich es mir halt leisten kann. Dieses Jahr wird es wohl der Ochs.

 

Nachdem das Jesuskind wieder aufgetaucht ist, das beim Tauferinnerungsgottesdienst als kleiner Mose herhalten musste, ist es schon eine ganz ansehnliche Gruppe. Wenn sie dann aufgestellt sind unter dem Christbaum mit Spächtele und Spänen und Kerzenlicht, dann erzählen sie wirklich etwas vom Geheimnis der Weihnacht.

 

Es gab im Mittelalter drei große Wallfahrtsziele: Jerusalem, Rom und Santiago di Compostella. Nach dem es immer schwieriger geworden war ins Heilige Land zu gelangen, kam ein Mönch auf die Idee, in Varallo beim Lago Maggiore einen "Sacro Monte", einen Heiligen Berg zu gestalten. Die wesentlichen Ereignisse aus dem Leben Jesu werden dort mit lebensgroßen Figuren dargestellt. Auch die Geburt Jesu. Ein Schweizer hat mir erzählt, dass der Sacro Monte so angelegt ist, dass er dazu auffordert, sich in diese Szenen mit hineinzustellen.

 

Wo ist Ihr Platz in dieser Weihnachtsgeschichte des Jahres anno domini 2007? Sind Sie distanziert, befremdet, zweifelnd, sehnsüchtig, hoffend, wartend, freudig? Mögen Sie Ihren Platz in dieser Geschichte finden! Platz genug ist da, denn es ist eine Gottesgeschichte. Eine Geschichte von Gott und den Menschen.