Zur Geschichte

Abtstab von einer Grabplatte in der Stadtkirche


Von der Gründung bis zur Reformation

Gesicherte Anfänge des Christentums in Murrhardt liegen noch in der fränkischen Zeit, als die Kirche St. Maria (heute Walterichskirche) auf römischen Resten vielleicht eines Tempels oder eines Denkmals gebaut wurde.

 

Im frühen 8. Jahrhundert wurde auch das Benediktinerkloster im Rahmen einer reichsweiten Kirchenreform durch Walterich gegründet. Als Kleriker von adliger Herkunft fand er bei Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karl des Großen, Unterstützung. Der Kaiser ist durch ein gotisches Kenotaph (Leergrab - er selbst ist in Metz begraben) repräsentiert. Walterich starb um 840 und wurde in der Leutekirche St. Maria des Klosters beigesetzt. Walterich genießt bis heute Verehrung. Ende November findet jeweils die ökumenische Walterichsandacht statt.

 

Es gibt auch eine Art evangelischer Wallfahrt am Karfreitag zum Ölberg, einem Außenaltar an der Walterichskirche und zum Grab selbst). Der erste Konvent für eine Erneuerung klösterlichen Lebens im Hochmittelalter kam von der Insel Reichenau. Das Kloster schloss sich den jeweiligen Reformen an und konnte so lange bestehen, auch in Auseinandersetzung mit den weltlichen Mächten.

Liste der evangelischen Äbte. (Klicken zum Vergrößern).

Reformation und Klosteramt

Das Kloster wurde 1509 beinahe in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt. Nach Einführung der Reformation 1534 in Württemberg wurde es erst wie die anderen großen Klöster 1556 reformiert.

 

Der letzte von insgesamt 32 katholischen Äbten (einschließlich der drei während des Dreißigjährigen Krieges) trat zum evangelischen Glauben über und wurde so zum 1. Prälaten von insgesamt 31 bis zur endgültigen Aufhebung 1807. Die Prälaten hatten wie zuvor die Äbte Sitz und Stimme im Landtag und waren somit wichtiger Bestandteil der politischen Landschaft. Vor Ort waren sie Verwalter des Klosterguts und Stadtpfarrer.

Adam Adami

Im Dreißigjährigen Krieg

Der Dreißigjährige Krieg bedeutete auch für das Murrhardter Kloster 1634 die Rückkehr eines benediktinischen Konvents. 1648 wurde das Kloster nach dem Friedensschluss von Münster und Osnabrück wieder evangelisch.

 

Der katholische Abt Adam Adami (1610-1663) setzte sich bei den Friedensverhandlungen für den Erhalt der rekatholisierten Klöster in Schwaben ein. Sie wurden jedoch wieder evangelisch. Er starb als Bischof von Hildesheim und wurde dort begraben.

Detail vom Epitaph Oetingers

Aufhebung des Klosteramts und Neuzeit

Mit Friedrich Christoph Oetinger erfuhr das Klosteramt einen Höhepunkt in geistlicher Hinsicht. Josef Friedrich Schelling war der letzte Prälat, das Ende des Alten Reiches bedeutete auch das Ende der württembergischen Stände - das Kloster wurde endgültig aufgehoben. Schelling verheiratete in der Stadtkirche seinen Sohn Friedrich Wilhelm Schelling mit Karoline Schlegel.

 

Mit den (kirchen-)politischen Veränderungen und Modernisierungen änderten sich die Bezeichnungen und Funktionen, die Prälaten wurden zu Stadtpfarrern ohne landespolitische Bedeutung.

 

Mit dem Wachstum der Stadt wurde das Pfarramt Riesberg eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Oetingerhaus samt eigenem Pfarramt im aufstrebenden Westteil der Stadt aufgebaut.