„Predigt“ Auf- und Umbrüche beim Gottesdienst zum MA-Gartenfest 06.07.18 (Pfarrerin Annkatrin Jetter und Pfarrer Achim Bellmann)  zu Jos 1,1-9

AJ:

Wie um Himmels willen soll es jetzt weitergehen?

So lange Zeit ist das Volk Israel jetzt schon mit Mose, ihrem Anführer, durch die Gegend und durch die Wüste gewandert, so vieles haben sie miteinander erlebt. Die Befreiung aus Ägypten. Freude und Schönes. Aber auch Krisen. Konflikte. Nicht immer haben sie sich leicht getan mit Mose. Da gab es auch Murren. Streit. Andere Ansichten. Aber sie waren doch froh, dass Mose da war. Und nun das! Noch immer waren sie nicht im gelobten Land angekommen. Noch immer waren sie unterwegs. Und jetzt starb Mose. Ließ sie allein. Unterwegs. Wie sollte es nun weitergehen?

AB:

Wie soll es jetzt weitergehen? So werden sich manche fragen. Innerhalb weniger Monate wechseln zwei Pfarrerinnen die Stelle, und auch unsere Kirchenpflegerin wechselt. Der Pfarrplan mit der Streichung einer weiteren 50% Stelle hier in Murrhardt droht schon am Horizont.

Und – auch sonst verändert sich so vieles. ,… Traditionsabbruch, weniger Gemeindeglieder …

Und dann die großen Aufgaben - Unsere Bauprojekte sind noch nicht abgeschlossen und an vielen Stellen sollten wir als Christen in der Gesellschaft sichtbar und spürbar sein.

Wie soll es weitergehen?

AJ:

Umbrüche, Aufbrüche, Veränderungen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gehören zu unserem Leben. Wir werden an Stellen geführt, wo das Alte nicht mehr trägt und die Frage übermächtig ist was nun werden wird. So ging es auch dem Volk Israel. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, das Land auf eigene Faust einzunehmen und einer 40 jährigen Wüstenzeit bahnt sich nun neues an. Auch die Israeliten standen als Gemeinschaft vor Veränderungen. Noch lebten sie in der Wüste, aber auf der anderen Seite wartete fruchtbares Land.

Sie stehen an der Schwelle. Mose war gestorben. Nun soll Josua seine Rolle einnehmen. Vor ihnen der Jordan. Auf der anderen Seite das ersehnte Ziel. Aber auch Ungewissheit. Widerstand ist zu erwarten, Feindseligkeit, Kampf und Gefahr.

AB:

Auch wenn wir heute zurecht Probleme haben mit Feldzügen und militärischen Mitteln, lohnt es sich doch auf diese Geschichte zu hören. Wir lesen nichts von Kampfbegeisterten Kriegern, wir lesen nichts von einer Verherrlichung der Gewalt im Gegenteil, wir hören nur einen reden und der macht denen die Angst haben Mut. Wir wissen heute auch noch nicht wie hier in Murrhardt die Lücken in der Mitarbeiterschaft wieder aufgefüllt werden. Wir wissen nicht wer es sein wird und mit welchen Kräften wir antreten. Aber wir hören auch heute diese Stimme. Halte dich an das Gesetz, oder vertraue meiner Weisung. Geh den Weg den ich dir zeigen werde und du wirst ans Ziel kommen.

AJ:

Josua hört da:
„Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst.“
Klar, wir können uns Gedanken machen: Was brauchen wir heute. Was braucht unsere Gesellschaft, was braucht unsere Gemeinde. Was brauchen wir.

Doch unsere Worte und unsere Handlungen bekommen eine neue Qualität, wenn wir uns neben unserem eigenen Planen und Denken, unseren Vorstellungen an diese Weisungen Gottes, die 10 Gebote, die Seligpreisungen, das Doppelgebot der Liebe erinnern. All unser Tun bekommt eine neue Qualität, die noch einmal tiefer reicht. Die uns anders gründet. Die all unser Tun in einen anderen rahmen stellt - selbst, wenn wir scheitern.

AB:

Josua soll diese Worte, diese Weisungen Gottes, beständig im Mund führen. Er – und auch wir, sollen uns das biblische Wort auf der Zunge zergehen lassen. Es im Herzen hin und her wenden. Auf ihm herumkauen. Es wiederholen – und uns in jeder möglichen Situation an es erinnern. Die Weisung Gottes, die uns zeigt: Gott liebt uns. Und Gott will, dass wir in dieser Liebe leben.

Dieser Klang der Weisung Gottes wird unsere Gedanken, unsere Pläne, unsere Hoffnungen und unsere Schritte ins Unbekannte färben. Sie werden uns im Herzen verändern. Und dann lassen wir zu, dass Gott uns verändert.

…?

AJ:

Das ist für uns etwas widerborstig. Ich gebe es zu. Bin ich doch so gewohnt, Pläne zu machen. Jeder neuer Pfarrplan zieht neue Pläne nach sich. In der Landeskirche. Im Bezirk. Hier in der Gemeinde. Unser Bauen – was wäre das ohne Pläne. Zukunftsüberlegungen, Zukunftsentscheidungen – ob hier in unserer Gemeinde oder in unserem je privaten Leben. Das Planen und das Umgehen mit dem Verändern von Plänen ist für uns ja ganz normal geworden.

Doch hören wir nochmal auf die  Geschichte von Josua:

„Nicht du mit deinen Plänen, nicht du mit deinem Machen und deinen Überlegungen sorgst für das Gelingen. Das mache ich, dein Gott. Doch ich bin mit dir und trage Sorge für dich und dein Leben. Ich gebe und schenke alles. Alles, was du bist und hast, kommt von mir, deinem Gott.“ Das sagt Gott Josua zu. Gott verpflichtet sich Josua gegenüber – wie in einem Vertrag. „Der HERR dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

AB:

So gehen wir in manche Ungewissheit, die vielleicht schwer auf unseren Herzen liegt. Und wir überlegen und planen, und setzen uns ein mit unseren Kräften, denn nichts was Gott will, fällt einfach so vom Himmel. Aber wir dürfen es neu hören, dass unser Leben und weben unser planen und arbeiten nicht in einem luftleeren Raum geschieht. Gott geht vor den Seinen her, Gott sieht seine Kirche an und im Vertrauen auf sein Wort füllt er ihr auch immer wieder Herz und Hände, damit sie den Dienst tun kann, der ihr aufgetragen ist. Und wie das Volk Gottes dürfen wir an dem Punkt wo wir stehen zurück sehen auf das was war und dankbar sein für seine Treue und die Spuren seines Segens. Und wir dürfen hoffnungsvoll nach vorne blicken, für uns persönlich und für uns als Gemeinde, denn Gott wird den Weg mitgehen.       Amen