9. Juni 2008: Bericht aus Südafrika


Pfarrerin Renate Cochrane berichtete aus erster Hand. 

Von Elisabeth Zenker, KGR

An diesem Abend, der im Rahmen der Partnerschaft mit dem Kirchenbezirk Kapstadt/Nord stattfand, berichtete Renate Cochrane von ihrer Arbeit als Pfarrerin in Südafrika. Sie hat sich dort besonders der vielen Aids-Waisen angenommen. In den Herrnhuter Missionsdörfern am Fuße der Drakensberge (Ostkap) sterben viele Gemeindemitglieder an Aids. Die meisten sind Mütter, die von ihren Männern angesteckt wurden. Die Männer in diesen armen Gegenden sind Wanderarbeiter, die ihre Ehefrauen und Familien zweimal im Jahr besuchen – Weihnachten und Ostern. Sie bringen den Virus mit. Die Ehefrauen haben keine Möglichkeit sich zu schützen, denn die Männer wollen Kinder.

In Südafrika wird die Zahl der HIV-infizierten Menschen auf 6 Millionen geschätzt. Am stärksten betroffen ist die Provinz Kwa zulu-Natal. Dort wird jedes zweite 15-jährige Mädchen nicht 35 Jahre alt werden. Von 10 HIV-Infizierten sind 8 weiblich. Es gibt lebensrettende Medikamente, aber viele Infizierte können sie nicht kaufen, und es gibt zu wenig Personal, um die Medikamente auszugeben und die Patienten zu betreuen. Viele Kinder bleiben ohne Eltern zurück. Es gibt in Südafrika ca. 1,5 Millionen Aids-Waisen unter 16 Jahren. Manche davon sind selbst infiziert.

Frau Cochrane erzählte uns vom Leben dieser Aidswaisen. Manche Kinder werden in Pflegefamilien aufgenommen, nicht allen geht es dabei gut. Es gibt Familien, die gerne das Pflegegeld nehmen, das die Regierung zur Verfügung stellt, sich aber nicht gut um die Kinder kümmern. Die Zahl der Kinderhaushalte steigt rapide. Viele Geschwister wollen nicht getrennt werden und leben lieber in ihrer Hütte allein ohne Einkommen. Pflegegeld gibt es nur, wenn der Haushaltsvorstand mindestens 25 Jahre alt ist. Versorgt ein 16-jähriges Mädchen ihre jüngsten Geschwister, sind die Kinder darauf angewiesen, dass die Nachbarn sie mit Lebensmittel versorgen, oder dass sie Unterstützung bekommen durch kirchliche Hilfsprogramme.

Was kann man tun? Frau Cochrane empfiehlt ein Hilfsprojekt, das 2001 mit Unterstützung aus Württemberg gegründet wurde: Masangane.

Püppchen

Püppchen als Trost für Aids-Waisen

Weiter strickt Frau Cochrane mit Frauen kleine Püppchen, die sie an Aids-Waisen verteilt. Diese werden häufig zu einem Trost in der Hoffnungslosigkeit. Im Dezember wurde im Partnerschaftsausschuss dann gemeinsam gestrickt. Wer nicht stricken konnte, hat den Abend mit dem Vorlesen einer kleinen Kurzgeschichte bereichert.