23. November 2008: Ein deutsches Requiem


Darauf hatten sich viele schon lange gefreut: Am Toten- und Ewigkeitssonntag kam in der Stadtkirche "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms zur Aufführung.

Von Pfarrer z. A. Dr. Jörg Schneider

 

Die Spannung war im Laufe der Wochen vor dem Konzert merklich gestiegen. Das Requiem von Johannes Brahms forderte alles Können – und es bekam alles Können des Chores und des Orchesters. Für Murrhardt war das Konzert ein Spitzenereignis von überregionaler Bedeutung. Während der Aufführung in der Stadtkirche war Ergriffenheit im Publikum zu spüren, die sich am Schluss in Begeisterung mit Standing Ovations verwandelte. Zwei Momente waren zusammen gekommen. Das Stück selbst ist ergreifende Musik, und die Motivation des gesamten Ensembles unter der Leitung von Gottfried Mayer konnte die Musik zu einem Kunstwerk werden lassen.

 

Das Stück ist ergreifend, weil es von der Musik für einen Verstorbenen wie im klassischen Requiem zu einer Musik für Trauernde geworden ist. Die Brahms'sche Musik spricht uns als irdische Wesen mit der eingeborenen Sehnsucht und Hoffnung an. Durch die Umkehrung von den Toten zu den Lebenden entfällt die liturgische Abfolge aus dem Totengottesdienst ganz. Die kirchliche Theologie tritt zurück, nur biblische Texte werden von Brahms durch die Auswahl und die musikalische Sprache interpretiert. Die individuelle Trauer findet ihre Deutung im Lichte der Bibel und der romantischen Melodien.

 

Diese Deutung transzendiert zwar wieder das Individuum, aber sie bleibt auf die je eigene Traurigkeit und Sterblichkeit bezogen. Deshalb kann sich jeder Hörer in diesem Requiem wiederfinden, jetzt und heute, nicht erst als Verstorbener in himmlischen Gefilden. Jeder Einzelne findet sich wieder, aber eben aufgehoben in der christlichen Gewissheit, dass das irdische Leben nicht das einzige ist.

 

Vielleicht war diese Betroffenheit eine der Quellen der Motivation für den Chor, der sich aus dem Murrhardter Kammerchor und der Kantorei zusammensetzte. Über Wochen hinweg hatte Kantor Gottfried Mayer in der Probenarbeit selbst noch an der Aussprache von einzelnen Worten gefeilt. Mitgestaltet wurde das Konzert von der Sinfonia 02, einem Orchester aus Stuttgart, und von Gundula Bernhold (Sopran) und Thomas Scharr (Bariton). In der Aufführung fügten sich diese einzelnen Feinarbeiten zu einem Ganzen aus einem Guss zusammen, das noch lange nachklingen wird.

 

 

Brahms' Requiem

Foto: Edgar Layher